Ankündigung von AveXis – Ergebnisse für den Fahrplan zur Heilung

Ankündigung von AveXis – Ergebnisse für den Fahrplan zur Heilung

von Monica Coenraads | 8. Juni 2017

 

Die Nachricht vom 07.Juni 2017, dass das Biotech-Unternehmen für Gentherapie AveXis das vom Gentherapie-Konsortium des RSRT entwickelte Programm vorantreibt, ist die beste Information seit Adrian Birds Artikel zur Umkehrbarkeit vor zehn Jahren.

Zuallererst wird der künftige klinische Versuch zur Gentherapie der erste sein, der jemals die Ursache betrifft, die dem Rett-Syndrom zugrunde liegt – MECP2. Alle vorherigen und gegenwärtigen Versuche haben nachgelagerte Wege gewählt und die Ergebnisse waren bestenfalls bescheiden.

Der Schwerpunkt des RSRT lag von Anfang an auf MECP2 als Ziel, da wir der Ansicht sind, dass die Symptome in erster Linie von dort ausgehen. Die Tatsache, dass die Leitung und die Investoren eines führenden Unternehmens auf dem Gebiet der Gentherapie nun diesen Ansatz übernommen haben, bestätigt die Strategie des RSRT. Wir haben nun einen Marktführer, der diesen Ansatz befürwortet und in dessen Verfolgung investiert, in einen Ansatz, der auf Forschung basiert, die wir gefördert, organisiert und finanziert haben.

Wann werden die klinischen Studien beginnen? Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorherzusagen. Das Unternehmen muss zuerst vorklinische (d.h. nicht auf Menschen bezogene) Studien abschließen, welche die Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse darstellen, um von dort aus die Behandlung auf Menschen übertragen zu können. Es wird noch etwa 12 bis 24 Monate dauern, bis diese Studien abgeschlossen sind. Dann muss das Unternehmen die Daten an die FDA schicken und den Einsatz eines versuchsweisen neuen Medikaments beantragen (Investigational New Drug application, IND). Sobald die FDA die IND zulässt, kann das Unternehmen mit klinischen Studien beginnen. Wir werden im weiteren Verlauf dieses Jahres mehr über den Zeitplan wissen.

Wie viele andere Eltern frage ich mich oft, wie eine Gentherapie für meine Tochter aussehen könnte, die mit 20 Jahren schon eine Erwachsene ist. Chelsea hatte Tausende Krämpfe, sie hat Skoliose, Kontrakturen, Muskelschwund. Sie hat nie gesprochen und konnte nie allein gehen. Ich erwarte für sie keine Behandlung, „als wenn das alles nie passiert wäre“. Aber ich bin überzeugt, dass es möglich ist, durch Gentherapie in Verbindung mit intensiver Rehabilitation eine Verbesserung zu erzielen. Es ist vorstellbar, dass sie lernt, ihr Gleichgewicht zu halten und Schritte zu machen, dass sie ihre Handfunktion zurückgewinnt, dass sie spricht, von ihrer Magensonde befreit wird und vieles mehr.

Während mir die Studie zur Umkehrbarkeit im Zusammenhang mit den Daten des Gentherapie-Konsortiums große Hoffnung schenkt, sagt mir mein Gefühl, je eher eine Intervention stattfindet, desto besser. Ich denke, dass es einfacher ist, Symptome zu verhindern, als sie umzukehren. Eines Tages, und hoffentlich bald, wird es möglich sein, ein Neugeborenenscreening durchzuführen, wie es bei PKU der Fall ist. Wenn das Testergebnis auf Rett beim Baby positiv ausfällt, wird die Gentherapie lange vor dem Auftreten der Symptome durchgeführt.

Tatsächlich werden wir nicht wissen, was die Gentherapie für unsere Kinder bedeutet, egal, ob sie jung oder älter sind, bevor wir den Versuch wirklich unternehmen. Macht uns das Angst? Mit Sicherheit. Ist es ein Risiko? Absolut, besonders für die ersten Kinder. Doch Rett zu haben, ist ebenfalls ein Risiko. Und je älter unsere Kinder werden, desto gefährlicher wird Rett, zumal es passieren könnte, dass sie ohne die Fürsorge ihrer Eltern leben müssen.

Eine Sache ist vollkommen klar – jetzt ist der Zeitpunkt, um alles zu riskieren, und zwar mit allen unseren Ansätzen, die auf MECP2 zielen. Wenn der erste Versuch durch AveXis ein Erfolg ist … wunderbar! Doch das Tempo der wissenschaftlichen Erkenntnisse beschleunigt sich und wird so Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung schaffen. Die Wissenschaftler bei unseren letzten Treffen des Konsortiums in Boston haben interessante Fortschritte bei der Gentherapie präsentiert, darüber hinaus auch alternative Wege mit MECP2 als Ziel, wie etwa die Bearbeitung der RNA oder das RNA-Transspleißen. Auch unser Konsortium zur Reaktivierung von MECP2 macht Fortschritte. Es ist weiterhin notwendig, dass diese vielversprechenden Forschungsstrategien aggressiv und parallel vorangetrieben werden. Im Namen unserer Kinder werden wir nichts unversucht lassen – sie verdienen nicht weniger als das.

Und Sie … Wenn Sie ein Kind mit Rett lieben, verdienen Sie transparente und ehrliche Informationen durch den RSRT, die ohne Prahlerei, sondern mit bescheidenem Optimismus geteilt werden. Am meisten aber verdienen Sie Ergebnisse. Mit der Ankündigung von AveXis wird nun zu einem Kernziel unseres Fahrplans zur Heilung beigetragen – Gentherapie im klinischen Versuch.

 

Bis eine Behandlung zur Verfügung steht, ist noch viel Arbeit zu erledigen. Wir brauchen Ihre finanzielle Unterstützung. Ich lade Sie herzlich dazu ein, unseren Fahrplan zur Heilung mitzuverfolgen.

 

 

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Lesen Sie die Pressmitteilung von AveXis hier.

AveXis treibt Gentherapieprogramm voran, das vom Rett Syndrome Research Trust initiiert wurde.

Pressemitteilung:

AveXis treibt Gentherapieprogramm voran, das vom Rett Syndrome Research Trust initiiert wurde

Pressekontakt:

Monica Coenraads

Executive Director, RSRT

203.445.0041

monica@rsrt.org

TRUMBULL, CT — Der Rett Syndrome Research Trust (RSRT) freut sich mitteilen zu können, dass AveXis, Inc. sich entschlossen hat, eine mögliche Gentherapie für das Rett-Syndrom in einem klinischen Versuch mit Menschen durchzuführen. AveXis ist ein Pionierunternehmen auf dem Gebiet der klinischen Gentherapie und hat bereits eine transformative Gentherapiebehandlung für spinale Muskelatrophie des Typs 1 vorangebracht. Dabei handelt es sich um ein sehr zerstörerisches Leiden, das Kinder betrifft und während des Kleinkindalters tödlich verläuft. Bemerkenswerterweise erreichten Kinder, die in klinischen Versuchen der Phase 1 mit der Gentherapie behandelt wurden, Meilensteine in ihrer Entwicklung wie etwa die Fähigkeit, ohne Hilfe zu sitzen, zu sprechen und in einigen Fällen sogar zu gehen. Dies sind Erfolge, die bei unbehandelten Babys mit der Krankheit nie beobachtet wurden. Wir glauben gemeinsam fest daran, dass Gentherapie, d.h. das Einsetzen gesunder MECP2 Gene, um mutierte Gene auszugleichen, wahrscheinlich ebenso Vorteile für Menschen mit dem Rett-Syndrom bringen wird.

Dieser Meilenstein steht für das Zusammenbringen von Forschungsbemühungen, das 2010 begann, als der RSRT die Zusammenarbeit von Dr. Gail Mandel und Dr. Brian Kaspar, dem jetzigen wissenschaftlichen Begründer und wissenschaftlichem Vorsitzenden von AveXis, finanzierte, um das Potential der Gentherapie zur Behandlung des Rett-Syndroms zu erforschen. Ermutigt durch die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit entwarf der RSRT 2014 das Gentherapie-Konsortium, wählte die Wissenschaftler dafür aus und stellte die notwendigen Mittel zur Verfügung, um so die Anwendbarkeit der Gentherapie bei der Behandlung des Rett-Syndroms einzuschätzen.

Die Wissenschaftler des Konsortiums Stuart Cobb, Steve Gray, Brian Kaspar und Gail Mandel übertrafen unsere Erwartungen, indem sie ein mögliches gentherapeutisches Produkt entwickelten, das sich als bemerkenswert wirksam, sicher und gut zu verabreichen erwiesen hat. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass die therapeutischen Erfolge bei Mausmodellen gegenüber jenen von anderen Medikamenten, die jemals für das Rett-Syndrom getestet wurden, deutlich größer waren.

Die Umkehrstudie von Adrian Bird im Jahr 2007, welche zeigte, dass Symptome bei Mäusen drastisch reversibel sind, legt nahe, dass eine Rett-Diagnose nicht notwendigerweise zu einer lebenslangen Behinderung führen muss. Während die Gentherapie für alle Störungen eines einzelnen Gens einen offensichtlichen Ansatz darstellt, bildete die Qualität der Daten des Konsortiums die Basis für AveXis’ Entscheidung, der Entwicklung einer Gentherapie für das Rett-Syndrom Priorität einzuräumen.

„Der RSRT hat früh erkannt, dass sich der gentherapeutische Ansatz nur vorwärts bewegen wird, wenn wir ihn aggressiv vorantreiben. So haben wir Wissenschaftler mit bedeutsamen Erfolgen zusammengebracht und ihnen die Mittel und Infrastruktur gegeben, um effektiv und effizient zu arbeiten. Unsere Strategie war erfolgreich, und so bin ich heute begeistert davon, dass AveXis, ein führendes Unternehmen auf dem Gebiet der Gentherapie, diese Arbeit in industrieller Größenordnung weiterführt. Mehr als dankbar bin ich den vielen Rett-Familien, die an unsere Vision glauben, und der Großzügigkeit ihrer Netzwerke, die unsere wichtige Arbeit möglich machen“, sagte Monica Coenraads, geschäftsführende Direktorin des RSRT und Mutter einer jungen Frau mit Rett-Syndrom.

„Wie wir im kürzlich vom RSRT vorgestellten strategischen Forschungsplan „Fahrplan zur Heilung“ bereits deutlich gemacht haben, ist unser Ziel eine Heilung des Rett-Syndroms. Die heutige Ankündigung ist ein großer Schritt in Richtung unseres Ziels. Indem sie die Kernursache von Rett anvisiert, hat die Gentherapie das Potenzial, Leben zu verändern. Wir vertrauen dem Wissen und der Leitung des Teams von AveXis und werden weiterhin unsere volle Unterstützung leisten, während dieses Programm voranschreitet“, sagte Randall Carpenter, der wissenschaftliche Direktor des RSRT.

Ohne das Vorantreiben der Gentherapie zur Behandlung des Rett-Syndroms durch den RSRT wären wir nicht auf unserem jetzigen vorklinischen Stand des Verständnisses von Gentherapie zur Behandlung dieser furchtbaren Krankheit“, sagte Brian Kaspar, der wissenschaftliche Direktor bei AveXis. „Indem wir unsere Sachkenntnis und unseren Schwerpunkt auf monogenetische Krankheiten richten, sind wir jetzt gespannt durch die Möglichkeit, dass die Gentherapie den Bedürfnissen von Menschen mit Rett-Syndrom wirksam begegnen könnte.“

Über den Rett Syndrome Research Trust

Der Rett Syndrome Research Trust (RSRT) ist eine Nonprofit-Organisation mit einem sehr persönlichen und dringenden Ziel: die Heilung des Rett-Syndroms und ähnlichen MECP2-Störungen. Im März 2017 hat der RSRT den Fahrplan zur Heilung angekündigt, einen dreijährigen, mit 33 Millionen USD finanzierten strategischen Forschungsplan. Dieser Plan verfolg in erster Linie vier Ansätze zur Heilung, wobei die Gentherapie das führende Programm darstellt. Der RSRT arbeitet im Kern der globalen wissenschaftlichen Aktivitäten und ermöglicht so Fortschritte beim Wissensgewinn sowie in der innovativen Forschung durch sein stetes Engagement zusammen mit akademischen Wissenschaftlern, Klinikern, der Industrie, Investoren und betroffenen Familien. Seit 2008 hat der RSRT die Forschung mit 42 Millionen USD gefördert. Für mehr Informationen besuchen Sie bitte www.reverserett.org

Über AveXis, Inc.

AveXis ist ein Gentherapie-Unternehmen der klinischen Stufe, das Behandlungswege für Patienten entwickelt, die an seltenen und lebensbedrohlichen neurologischen Gendefekten leiden. Der erste eigene Kandidat der Firma für die Gentherapie, AVXS-101, hat kürzlich einen klinischen Versuch der Phase 1 zur Behandlung der SMA des ersten Typs durchlaufen. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.avexis.com

Über das Rett-Syndrom

Das Rett-Syndrom ist eine genetisch bedingte neurologische Störung, die fast ausschließlich Mädchen betrifft. Es bricht zufällig, typischerweise im Alter zwischen 12 und 18 Monaten aus, und es wird durch zufällige Mutationen des MECP2-Gens auf dem X-Chromosom ausgelöst. Das Rett-Syndrom hat gravierende Folgen, weil es jungen Kindern die Fähigkeit nimmt, zu sprechen, ihre Hände zu benutzen, sich normal zu bewegen, wobei oft auch die Gehfähigkeit betroffen ist. Wenn die Patienten das Kindesalter erreichen, führt die Störung zu Nervosität, Krämpfen, Zittern und Atemproblemen sowie ernsten Verdauungsschwierigkeiten. Während der Körper leidet, wird weithin angenommen, dass die kognitiven Fähigkeiten der Kinder intakt bleiben. Obwohl viele Kinder bis ins Erwachsenenalter leben, benötigen sie Vollpflege rund um die Uhr.

Das Gentherapie-Konsortium berichtet Fortschritte

Das Gentherapie-Konsortium berichtet Fortschritte

von Monica Coenraads & Randy Carpenter | 15. Mai 2017

 

Wir freuen uns, heute alle Mitglieder der Rett-Syndrom-Gemeinschaft und alle, die mit einer betroffenen Familie verbunden sind, über die neuesten Fortschritte des Gentherapie-Konsortiums des RSRT zu informieren. Wie Sie vielleicht wissen, wird das Rett-Syndrom durch eine zufällige Mutation des Gens MECP2 verursacht, was die Produktion eines gesunden MECP2-Proteins verhindert. Jahrzehnte wissenschaftlicher Grundlagenforschung haben gezeigt, dass das MECP2-Protein entscheidend für eine ordentliche Gehirntätigkeit ist und dass die Symptome von Rett auf diesen Defekt zurückzuführen sind. Die wissenschaftlichen Bemühungen müssen noch Medikamente mit tiefgreifenden therapeutischen Nutzen bei Tiermodellen und Menschen mit Rett finden. Auf der anderen Seite kehrt eine Wiederherstellung der normalen Stufen des gesunden MECP2-Proteins bei Mäusen Symptome und Behinderungen drastisch um.

Die Tatsache, dass Symptome bei erwachsenen weiblichen Mäusen umgekehrt werden können, legt den Gedanken nahe, dass eine Rett-Diagnose nicht automatisch zu lebenslanger Behinderung führen muss. Die Strategie, das MeCP2-Protein durch Gentherapie sicher und effektiv wiederherzustellen, ist eine äußerst attraktive Behandlungsoption, auf die sich der RSRT besonders konzentriert hat.

Wissenschaftliche Fortschritte bei der Gentherapie werden mit hoher Geschwindigkeit gemacht, und für eine Vielzahl von Krankheiten werden derzeit gentherapeutische Behandlungen getestet. Eine Behandlung von Rett mittels Gentherapie stellt jedoch auch einige Herausforderungen dar, die bewältigt werden müssen, bevor man sich an die klinische Phase wagt.

  1. Das Gen muss jedem Teil des Gehirns in voller Breite zugeführt werden – also sind die Wahl eines viralen Vektors, der Verabreichungsweg und die Dosis von entscheidender Bedeutung.
  2. Zu viel MeCP2 kann ernste Symptome verursachen – also ist es notwendig, die steuernden Elemente zu optimieren, die eine ausreichende Produktion von MeCP2 erlauben, um die Funktion zu verbessern, und gleichzeitig eine Überproduktion zu verhindern.

Um den Fortschritt zu beschleunigen, hat der RSRT das Gentherapie-Konsortium ins Leben gerufen. Dies ist eine internationale Zusammenarbeit von vier Laboren, die alle notwendigen Kapazitäten mitbringen, um die Gentherapie zur Behandlung des Rett-Syndroms zu optimieren. Mit Freude teilen wir heute mit, dass das Konsortium unsere Erwartungen übertroffen hat.

Zwei aktuelle Studien des Konsortiums berichten, dass man bei den Hauptherausforderungen mit den Vektoren der ersten und zweiten Generation vorankommt. Im Besonderen wurden bei der Definition der Dosis, des Verabreichungswegs und entscheidenden steuernden Elementen, um die richtige Menge bei der Proteinproduktion sicherzustellen, große Fortschritte gemacht.

Diese Studien haben die wissenschaftlichen Grundlagen und Erkenntnisse für die effektive Herstellung von Vektoren der dritten Generation geschaffen, die bereits getestet werden. Sie scheinen bisher bereits in geringeren Dosen einen therapeutischen Nutzen zu bringen, während sie gleichzeitig die Toleranz erhöhen. Die entsprechenden Ergebnisse werden der Gegenstand einer zukünftigen Veröffentlichung sein.

Wir glauben, dass das breitere therapeutische Spektrum, das durch den Vektor der dritten Generation des Konsortiums erreicht wurde, hinreichende Wirksamkeit, Sicherheit und Verabreichungsmerkmale schaffen wird, um ein Voranschreiten in Richtung eines klinischen Versuchs zu ermöglichen. Wir freuen uns darauf, der Gemeinschaft auch weiterhin von diesem vielversprechenden Fortschritt zu berichten.

Gentherapie-Primer

Gentherapie-Primer

von RSRT | 10. Mai 2017

 

Die Gentherapie bildet das Kernprogramm unseres dreijährigen strategischen Forschungsplans „Fahrplan zur Heilung“. Diese potenzielle Einmalbehandlung, die auf die Wurzel des Rett-Syndroms zielt, hat bei Mausmodellen für die Krankheit zu bedeutenden Ergebnisse geführt, und dies bei Weitem deutlicher als jeder bisher getestete Wirkstoff. Daher schauen wir uns hier einige grundlegende Begriffe der Gentherapie an, weil sie eine wirkliche Änderung der Spielregeln verspricht.

Gene sind wie der Code oder die Blaupause für das, was wir sind. Während Gene zunächst einmal dafür verantwortlich sind, unsere Merkmale zu bestimmen, wie etwa die Haar- oder Augenfarbe, können einige genetische Varianten Krankheiten verursachen oder deren Risiko erhöhen. Schädliche oder Krankheiten erregende Variationen werden als Mutationen bezeichnet.

Die Zellen in unseren Körper „lesen“ Gene, um Proteine herzustellen, in etwa so, wie ein Bäcker ein Rezept liest, um Brot zu backen. Ein Fehler in einem solchen Rezept kann zu einem Brot führen, das nicht aufgeht oder nicht gut schmeckt. In ähnlicher Weise kann eine Mutation an einem Gen zu einem fehlenden oder falschen Protein führen. Da Proteine notwendig für unsere Gesundheit und die Funktion unserer Zellen sind, können Krankheiten auftreten, wenn eins davon nicht korrekt hergestellt wird.

Um Rett-Syndrom-Patienten mit Gentherapie zu behandeln, müssen Forscher gesunde Kopien von MECP2 in Gehirnzellen bringen. Eins der Kernelemente dieser Therapie ist ein System zur Auslieferung der Gene, das auch als Vektor bezeichnet wird. Für das Rett-Syndrom und andere genetisch bedingte Krankheiten ist der Vektor ein von Menschen gemachtes Virus, das in Zellen eindringen und das therapeutische genetische Gepäck ausliefern soll.

Während sich der Einsatz eines Virus möglicherweise etwas beängstigend anhört – Viren können uns natürlich krank machen – entfernen die Wissenschaftler dem Virus seine ursprüngliche DNA und setzen das therapeutische Gen ein. Viren sind ein attraktives Verabreichungssystem, weil sie leicht in Zellen eindringen und so ihr genetisches Gepäck abliefern können. Viele Gentherapien, die gegenwärtig entwickelt werden, verwenden adeno-assoziierte Viren (AAVs), weil die Menschen ihnen während ihres Lebens oft ausgesetzt sind und sie nicht häufig eine schädliche Reaktion des Immunsystems des Empfängers verursachen.

Einer der Hauptbestandteile eines AAV ist sein Kapsid oder die äußere Schale. Kapside sind so gestaltet, dass das Virus leichter in die Zielzelle eindringen kann. So kann das Kapsid mit dem Namen Serotype 9 beispielsweise in das Zentralnervensystem und das Gehirn eindringen. Entsprechend ist AAV9 bestens für Gentherapien bezüglich des Rett-Syndroms geeignet.

Weitere wichtige Komponenten einer Gentherapie sind die fördernden und steuernden Elemente, die bestimmen, wie viel Protein die jeweilige Gentherapie hervorbringt. Die Wahl der fördernden und steuernden Elemente einer Gentherapie für das Rett-Syndrom beim Menschen ist entscheidend, weil die Behandlung zur Bildung von genügend Protein führen muss, um wirksam zu sein, jedoch nicht zu viel produzieren darf, wenn dies schädlich wäre.

Wir müssen auch im Gedächtnis behalten, dass die Gentherapie immer noch ein sehr innovativer Behandlungsansatz ist. Keine der existierenden Gentherapien wurde bisher von der US-amerikanischen Medizin- und Lebensmittelbehörde (FDA) zugelassen. Dies könnte sich allerdings in den nächsten Monaten ändern, weil Spark Therapeutics sich mit seiner Gentherapie für Retina-Leiden bei der FDA beworben hat. Diese hat Kindern und jungen Erwachsenen in einem klinischen Versuch einen Teil der Sehkraft zurückgegeben.

 

Wir halten Sie auf dem Laufenden, während Wissenschaftler mit Unterstützung des RSRT auf einen klinischen Versuch hinarbeiten.

Roadmap to a Cure

RSRT-Roadmap-StrategicPlan

watch the full Video

 

hier die deutsche Übersetzung:

Dreijähriger strategischer Forschungsplan: Der Fahrplan zur Heilung

Mitteilung des Vorstands RSRT

Wenn Sie dies hier lesen, wissen Sie, was das Rett-Syndrom ist. Sie wissen, dass es sich um eine ernsthafte neurologische Störung handelt, die bei 350.000 Mädchen und Frauen auftritt. Sie wissen, dass die Diagnose schrecklich für eine Familie ist und dass sich Mädchen während der frühen Kleinkindphase normal entwickeln, bevor sie Rückschritte machen und die Fähigkeit zu laufen und zu sprechen für den Rest ihres Lebens wieder verlieren. Es folgen eine Reihe körperlich und geistig schmerzhafter Symptome – Krampfanfälle, Skoliose, Verdauungsbeschwerden. Es ist eine grausame Krankheit, die die Mädchen verschwinden lässt und sie in ihrem Körper genau in dem Moment einsperrt, in dem sie ein Gefühl für ihr Selbst, für die Welt um sie herum und für ihre Hoffnungen und Träume entwickeln. Es ist nicht einfach, sich alle die Symptome von Autismus, Parkinson, zerebraler Lähmung, Epilepsie und Angststörungen in einem kleinen Mädchen vorzustellen. Doch dies ist es, womit die Mädchen und Frauen, die an Rett erkrankt sind, zu leben haben. Der Rett Syndrome Research Trust wurde aus der Überzeugung heraus gegründet, dass ein Weg gefunden werden muss, um diese tapferen Mädchen und Frauen aus dem Gefängnis des Rett-Syndroms zu befreien.

Unser Ziel ist ehrgeizig und möglicherweise historisch: Rett soll die erste neurologische Störung sein, für die es eine Heilung gibt. Wir haben jeden Grund, an die Erreichbarkeit dieses Ziels zu glauben. Die Ursache von Rett ist bekannt – eine zufällige Mutation an einem einzigen Gen – die für die Forschung ein Ziel darstellt und die Krankheit von anderen neurologischen Störungen unterscheidet. Außerdem wurde anhand von Tiermodellen nachgewiesen, dass Rett heilbar ist.

Während der letzten acht Jahre hat der RSRT 36 Millionen USD investiert, um die Forschung in Richtung unseres Ziels voranzutreiben. Das gesamte Geld wurde von Privatpersonen und aus privaten Vermögen aufgebracht. Eine ganze Reihe von Projekten mussten strategisch verfolgt werden, um an einen Punkt zu gelangen, an dem wir die Ansätze vorziehen können, die größte Aussichten haben, einen Behandlungsweg zu finden. Die Grundlagenforschung über Rett musste verstärkt, Tiermodelle entwickelt und zahlreiche Strategien bewertet werden. Heute, mit erweiterten Kenntnissen in allen diesen Bereichen, haben wir eine neue Phase in der Rett-Forschung erreicht.

Im Jahr 2017 wird der RSRT einen dreijährigen, mit 33 Millionen USD finanzierten Plan zur Transformationsforschung angehen, der den Titel Fahrplan zur Heilung trägt. Dieser Plan umfasst die folgenden Aktionsgebiete: Heilen, Behandeln, Ermöglichen und Lernen.

HEILEN – 13 Millionen USD für die Finanzierung benötigt

Im Kern stützt sich der Plan auf vier vorrangige Ansätze, die darauf abzielen, das Rett-Syndrom zu heilen, indem die tiefer liegenden Ursachen der Störung repariert werden. Diese vier Ansätze befinden sich auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung.

– Gentherapie:

Während der letzten drei Jahre hat das Gentherapiekonsortium des RSRT sehr vielversprechende Fortschritte gemacht. Das Konsortium hat eine Gentherapie entwickelt, die bei Tiermodellen wirksam ist und gut angenommen wird. Unser Ziel ist es, die vorklinischen Tests abzuschließen, die zur Bewerbung um eine Begutachtung eines neuen Medikaments durch die nationale Gesundheitsbehörde und zur Aufnahme eines klinischen Versuchs der Phase I erforderlich sind. Wir müssen diesen vielversprechenden Schwung der so weit entwickelten Gentherapie weiter verfolgen und unseren Ansatz wegen der Entwicklung neu aufgelegter Verfahrensweisen verfeinern. Die Gentherapie bietet vielleicht den vielversprechendsten und spannendsten Weg, das Rett-Syndrom umzukehren oder zu heilen.

– Reaktivierung des X-Chromosoms:

Bei von Rett betroffenen Mädchen und Frauen befindet sich das defekte Gen, welches die Krankheit verursacht, auf dem aktiven X- Chromosom. Das schlafende X-Chromosom enthält jedoch eine gesunde Kopie desselben Gens. Wenn die Wissenschaft einen Wirkstoff entdecken würde, der das schlafende, gesunde X-Chromosom „einschaltet“, könnte dies Rett umkehren. Der RSRT hat vor acht Jahren damit begonnen, diesen Ansatz einzuführen. Inzwischen wurde eine Menge neuer Erkenntnisse gewonnen. Dieser Ansatz, der zunächst nur in einem einzelnen Labor verfolgt wurde, beschäftigt inzwischen ein Konsortium von sieben Laboren. Über die nächsten drei Jahre werden sie bahnbrechende Entdeckungen weiter verfolgen und potenzielle Medikamente beurteilen, um vorklinische Tests auf den Weg zu bringen, die später zu klinischen Versuchen führen könnten.

– Proteinersatz:

Die Wurzel des Problems beim Rett-Syndrom ist die unzureichende Stufe eines spezifischen Proteins im Gehirn. Der RSRT arbeitet hier mit einem Labor der Biotechnologie zusammen, das eine Methode entwickelt hat, um den aktiven Transport von Proteinen in das Gehirn zu ermöglichen. Der nächste Schritt ist hier, diesen Ansatz am Tiermodell zu testen.

– Umschreiben der RNA:

Das Rett-Syndrom wird durch Mutationen an einem Gen mit dem Namen MECP2 ausgelöst. Die genetische Mutation wird auf eine abnorme RNA übertragen und dann in ein dysfunktionales Protein übersetzt. Zusätzlich zu einem Anvisieren der DNA-Stufe durch Gentherapie oder der Proteinstufe, wäre ein alternativer Ansatz das Anvisieren der RNA. Spliceosome-Mediated RNA Trans- Splicing (SMaRT) ist eine Technologie, die es ermöglicht, dass eine Mutation ausgesondert und repariert wird, bevor die RNA in ein Protein übersetzt wird. In den kommenden drei Jahren werden wir die Genauigkeit und Effizienz bei der Umschreibung von RNA in Nervenzellen verbessern und optimale Anwendungsweisen dieses vielversprechenden Ansatzes zum Vorschein bringen.

BEHANDELN – 3,3 Millionen USD Finanzierung benötigt

Die oben genannten Ansätze zur Heilung, welche die tiefer liegenden Ursachen der Störung angehen, werden vor allem verfolgt, um einen soliden therapeutischen Nutzen zu erzielen. Jedoch könnten auch therapeutische Eingriffe in den Verlauf der Krankheit ein Symptom oder eine nachgelagerte Gruppe von Symptomen lindern. Deshalb werden wir, bis eine vollständige Heilbehandlung existiert, parallel dazu Behandlungsstrategien dahingehend auswerten, welche die besten Aussichten haben, die gravierenden Symptome, an denen die Patient/innen leiden, zu verbessern.

ERMÖGLICHEN – 9,3 Millionen USD Finanzierung benötigt

Der RSRT wird eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung eines industriefreundlichen Ökosystems spielen, welches durch Risikominimierung, Beschleunigung der Wirkstoffentwicklung und Erleichterung bei der Zulassung neuer Wirkstoffe Grenzen verschiebt. Auf diese Weise werden wir Investitionen der Industrie in die Rett- Forschung vorantreiben.

In der Vergangenheit wurde die Zulassung neuer Wirkstoffe durch das Fehlen dreier Schlüsselressourcen gebremst: 1) Mangel an genauen, von der nationalen Gesundheitsbehörde anerkannten Ergebnismessungen bei klinischen Versuchen sowie Geräten, welche diese Ergebnisse messen können, 2) Die Fähigkeit, die richtigen Patienten für die jeweiligen Versuche aufzufinden, und 3) Mangel an menschlichen Zellen von Patienten, um neue Therapien im Labor zu testen.

– Ergebnismessung und die Entwicklung von Biomarkern:

Gegenwärtig gibt es keine von der nationalen Gesundheitsbehörde anerkannten Methoden zur Ergebnismessung für den Einsatz bei klinischen Versuchen im Zusammenhang mit Rett. Der RSRT hat ein Konsortium aus Ärzten mit Expertise bei Rett zusammengerufen, um Messmethoden für Ergebnisse zu entwickeln, die für Patient/innen und deren Familien von Bedeutung und gleichzeitig akzeptabel für die nationale Gesundheitsbehörde oder andere regulierende Behörden sind. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen: behördlich zu genehmigende Methoden zur Ergebnismessung und Biomarker, welche die Wirksamkeit voraussagen oder damit zusammenhängen. Ein Teil der Arbeiten wird die Sammlung von Informationen über Rett-Symptome und die Bedürfnisse einzelner Patient/innen einschließen, um so die Zeit bis zum klinischen Versuch zu verkürzen und eine Gemeinschaft betroffener Familien zu bilden. Diese umfassenden Bemühungen werden wesentlich sicherstellen, dass die Hauptansätze des RSRT sich unmittelbar auf das Leben einzelner Personen auswirken.

– Testen des Effekts von Rett-Therapien an menschlichen Zellen:

Da keins der Tidemodelle jemals die menschliche Krankheit exakt abbilden kann, müssen die Ergebnisse von Tierstudien anhand menschlicher Zellen verifiziert werden, wann immer dies möglich ist. Heutzutage ist es möglich, Hautzellen von Patient/innen mit Rett in Gehirnzellen umzuwandeln. Diese Zellen können im Labor verwendet werden, um bei Tiermodellen beobachtete Ergebnisse erneut zu erreichen. Da diese Gehirnzellen von jeder Person mit Rett gewonnen werden können, erlaubt uns dieses Verfahren auch zu beurteilen, ob es bedeutende Unterschiede bei der Reaktion auf bestimmte Therapieformen zwischen einzelnen Patient/innen gibt.

LERNEN – 4,5 Millionen USD Finanzierung benötigt

Unsere Investitionen in die Grundlagenforschung haben uns auf diese vielversprechende Stufe der wissenschaftlichen Forschung gebracht. Der bedeutende Wissenszuwachs über das mutierte Gen, welches Rett verursacht, hat eine Schlüsselrolle dabei gespielt, wichtige Bestandteile der Gentherapie und andere Ansätze zu definieren. Doch der gesamte Umfang des Wissens darüber, wie das Gen und sein verbundenes Protein funktionieren, muss noch vollständig definiert werden. Deshalb ist es unerlässlich für

den Erfolg unserer Forschung, dass wir unser Wissen über das Gen, sein Proteinprodukt und deren Funktionen kontinuierlich erweitern.

MAXIMIERUNG DES EFFEKTS VON JEDER EINZELNEN SPENDE

Seit seiner Gründung achtet der RSRT auf außerordentlich niedrige Gemeinkosten. Dieses Bemühen wird fortgesetzt, indem wir weniger als 10% des Budgets für den Forschungsplan für Fundraising und Verwaltung ausgeben.

SCHLUSSBEMERKUNG

Der Fahrplan zur Heilung ist ein umfassender und integrierter strategischer Forschungsplan. Keiner der Ansätze befindet sich abgekoppelt von den anderen, sondern alle Ansätze unterstützen und stärken einander. Der Fahrplan wurde entwickelt, um beweglich zu bleiben und sich schnell auf neue Entdeckungen konzentrieren zu können.

Wir sind zuversichtlich, dass unser Plan zu soliden Verbesserungen für die mehr als 350.000 von Rett Betroffenen führt. Menschen mit Rett haben schon zu lange gelitten und keine Stimme bekommen. Wir wissen, dass es aus wissenschaftlicher Sicht möglich ist, ihre Leben dramatisch zu verändern, und wir wissen, wie wir das erreichen können. Jetzt ist der Moment dafür.